Als im Jahre 1913 Sportfreunde in Kirchhain einen Arbeitersportverein e.V. gründeten, ahnte noch niemand, dass dieser Verein im August 2003 sein 90. Jubiläum feiern würde. Die Nachfolger änderten zwar im Laufe der 90 Jahre oft den Namen, aber die Begeisterung für die „Jagd“ nach dem runden Leder blieb. Und somit trägt der Verein heute den Namen „ FSV Kirchhain e.V.“. Ursprünglich wurde nicht nur Fußball gespielt, sondern auch Feldhandball. Die ersten Spielorte waren in der Waldhufenstrasse und im Schwimmbad, in der Finsterwalder Str. Letzterer Ort war an sich ungünstig, da es öfter vorkam, das der Ball im Wasser landete. Am 20.6.1914 wurde in der Luckauer Str. (früher Chaussestr.) ein Turnplatz eingeweiht und nach dem 1.Weltkrieg kam eine Sporthalle dazu. Die Hallenweihe fand am 23.8.1925 statt. Nach dem 2.Weltkrieg entstand 1954 aus dem alten Turnplatz ein neuer Sportplatz. Seit dieser Zeit trägt der Verein seine Spiele dort aus. Zu jenem Zeitpunkt hatte der Verein schon mehrere „Umtaufungen“ hinter sich. Durch den Bergbau im Kirchhainer Schacht nannte man sich, um 1949, „BSG Aktivist“, was dann 1951 in „BSG Lokomotive“ umgeändert wurde. Seit dieser Zeit wurde aber nicht mehr nur Fußball gespielt, denn Abteilungen wie Leichtathletik, original Kassiererkoffer aus der Gründerzeit Turnen, Kegeln, Behindertensport, Schach, Wandern und Touristik kamen hinzu. Erste Vorsitzende nach dem 2.Weltkrieg waren Kurt Günther und Kurt Merkel, und erste Sektionsleiter im Fußball Fritz Lehmann und Gregor Nolle. Aus der Zeit von 1913 – 1954 blieben uns leider nur ein Pokal und ein Wandbild vom 2.8.1925 erhalten, und vom Die Gründungsväter des Kirchhainer Fussballs 1913  damaligen Gründungs-mitglied und ersten Kassierer, Paul Lehmann, der original Kassiererkoffer. Diesen stellte aus ihrem persönlichen Besitz, die Tochter Johanna Haase, geb. Lehmann, wohnhaft in Dob.- Kirchhain Siedlerweg, unserem Vereinsvorsitzenden A. Töpper, dem Verein zur Verfügung. Nach der Wende, 1989, wurde durch die Sportkameraden Wilfried Weppler und Wolfgang Schemmel eine Chronik erstellt, welche der Sportfreund W. Schemmel immer wieder aktualisiert. Das besondere an dieser Chronik ist ein Foto aus dem Gründungsjahr 1913, welches der Sportkamerad Kurt Merkel all die Jahre aufbewahrte und dem Verein in den 60iger Jahren zur Verfügung stellte. Bei einem Verein, der 90 Jahre alt wird, ist es schwierig Zeugen aus der Gründungszeit zu finden. Daher kommt es auch, dass zu den „Gründungsvätern“ von 1913 kaum noch eine Geschichte bekannt ist. Da auf dem Foto aber nur zehn Männer zu sehen sind, schätzen die heutigen Mitglieder, dass sich der elfte als Fotograf betätigte. Von 1954 an bis jetzt, konnten im Nachwuchs und im Männerbereich 89 Meisterschaften und Pokale gewonnen werden. Leider fehlen uns von 1913 – 1954 Hinweise und Unterlagen, ob noch andere Meisterschaften und Pokalsiege erreicht wurden. Die Erfolge waren zwar nicht immer die größten, doch reichten sie, um den einen oder anderen Zuschauer anzulocken. Viele Interessierte Leute waren an manchen Wochenenden auf dem Weg zum Fußball in die Luckauer Strasse. Langweilig wurde es bei den Kirchhainer Heimspielen nie. Heute sprechen viele Mitglieder von einem Zusammenhalt, wie er kaum noch existiert, obwohl die Menschen heute ganz andere Probleme haben. Ob damals oder heute, es wird immer noch mit viel Liebe und Leidenschaft Fußball gespielt. Die Umkleidekabinen waren zwar nicht die schönsten und die sanitären Anlagen ließen einige Wünsche offen, aber es gab eine Gaststätte, die die Zuschauer versorgte. Das erzählte uns der damals langjährige Spieler und Vorstands-mitglied, Dieter Lange. Es gibt auch ein paar Kirchhainer Fußballgeschichten zu erzählen. In den 50iger Jahren war das Fahrrad das Haupttransportfahrzeug. Bis nach Finsterwalde oder Crinitz mussten die Spieler strampeln, nicht nur die Männer auch der Nachwuchs. Natürlich kamen auch die Gegner so nach Kirchhain. Zeigte ein Reifen mal Verschleißerscheinungen, wurde kurzerhand eine Binde rumgewickelt. Später, als man dann und wann schon mit dem LKW mit Plane, ein sogenannter Holzvergaser (fuhr voll mit Holz gestampft), gefahren von P. Hustan, oder einem Bus unterwegs war, wurden auch Schiedsrichter mitgenommen. Das war aber für den „schwarzen Mann“ nicht immer ungefährlich. So musste sich ein Vertreter der schwarzen Zunft auf der Rücktour mal mit dem Zug begnügen, da sich der Busfahrer weigerte ihn mitzunehmen. Begründung: zu schlecht gepfiffen! Es gab auch zwei Sportkameraden, J. Ortmann und G. Rambow, die bei Sonne oder Regen mit dem Motorrad zu den Auswärtsspielen fuhren. Es kam auch mal vor, dass die 2. Männer-mannschaft nicht vollzählig war und G. Rambow mit geborgten Schuhen aushalf. Natürlich gehörten die verschiedensten Unternehmungen zum Vereinsleben – wie Himmelfahrts-ausflüge in den Spreewald oder nach Bad Schandau. Im Spreewald, schon etwas angeheitert, wollte man dem Stacker zur Hand gehen. Doch statt den Stock zu übernehmen, ging man ins Wasser und schob von dort aus an. Erst als der Stacker selbst seiner Arbeit nachgehen durfte, wurde das Bad beendet. Es ist auch vorgekommen, wie in Berlin, dass der Koffer mit den Spielsachen in der Berliner S-Bahn stehen gelassen wurde. Dank der Bahn ist es gelungen, dass die Sachen zum Spielbeginn wieder da waren. Trotz zweier Weltkriege und der Wende 1989, haben sich immer wieder Sportfreunde gefunden, den Verein am Leben zu erhalten und ein reges Vereinsleben zu gestalten. So manch prominenter Fußballer spielte schon auf dem Kirchhainer Rasen. Namhafter Besuch war zum Beispiel, der 21fache Nationalspieler Lutz Lindemann, der im Rahmen eines Freundschaftsspiels Altliga Doberlug gegen Altliga Kirchhain, bei den Ortsrivalen mitspielte. Und auch die Altligamannschaft vom BFC Dynamo fand schon den Weg nach Kirchhain. Diese verließ die Gerberstadt mit einem 5:2 Sieg gegen unsere 1. Männermannschaft. Einige der hier zu nennenden Erfolge sind: die 2.Männermannschaft wurde 3 mal Kreismeister, die I. Männermannschaft wurde 7 mal Pokalsieger und holte 5 mal den Kreismeistertitel. Die schönsten Erfolge der I. Männer waren im Jahr 1964/65, als sie Pokalsieger und Kreismeister wurden und den Aufstieg in die damalige Bezirksklasse schafften. Diese Mannschaft wurde von Wolfgang Kleist, Gregor Nolle und Harry Merkel, als Mannschaftsleiter, betreut. Leider konnte die Bezirksklasse 1965/66 nicht gehalten werden, da zu viele Spieler der 1. und 2. Männer zur damaligen NVA eingezogen wurden. Sehr erfolgreiche Jahre waren 1982/83 und 1983/84. Der Verein gewann damals 2 mal den FDGB Pokal, wurde Kreismeister, holte den Kreisklassenpokal und stieg unter dem damaligen Trainer, Klaus Sperling, in die Kreisliga auf. Der Kirchhainer Fußball hat immer gute Nachwuchsleute hervorgebracht, von denen viele den Verein verlassen haben und nur wenige zurück gekehrt sind. So war es nicht immer leicht für die nachfolgenden Trainer, wie Siegfried Kulk, Manfred Kosche, Wilfried Weppler oder Frank Hirsch, eine schlagkräftige Truppe aufzustellen, obwohl sie auch ihre Erfolge nachweisen können. Das heutige Trainergespann, Alfred Rambow und Wolfgang Schemmel, sind guten Mutes aus der jungen Mannschaft etwas zu machen. Sehr schwierig ist es hingegen für die Trainer der II. Mannschaft, Uwe Lehmann und Uwe Schaarschmidt, die fast jede Woche mit einer anderen Mannschaft antreten müssen und Spieler für die I. Männer bereit halten. Auch der Nachwuchs hatte seine Erfolge und spielte in der Bezirks- sowie in der  Landesklasse; die D-Junioren 1985/86 und 88/89, die C-Junioren 1984/85, 85/86, 87/88, 88/89 und die B-Junioren 1994/95, 96/97 und die A-Junioren 1988/89. Kreispokalsieger konnten im Elbe-Elster Kreis die E und die D-Junioren 1995/96 werden. Da wurde gute Nachwuchsarbeit von den Trainern Wolfgang Richter, Wolfgang Grawitter und Andreas Volkmann geleistet. Die B-Junioren, unter der Regie von Wolfgang Schemmel und Joachim Lange, schafften den gleichen Erfolg im Jahr 2000. Den A-Junioren ist es bis jetzt vorbehalten, dank dem jungen Trainer Jan Müller und dem Betreuer Lothar Schmiade, den letzten Kreismeistertitel im Jahr 2000/01 geholt zu haben. Einen Ehrentitel erhielt der Verein am 30.3.1988 als „Vorbildliche Sektion des DFV der DDR“. Das zeigt, dass im Verein viel für unseren Nachwuchs getan wurde und noch wird. Man sollte auch einige Leute erwähnen die großen Anteil an der guten Nachwuchsarbeit hatten und haben, wie in den 50iger Jahren, Günter Hoschützky. Unvergessen bleibt Walter Fechner, einer der besten Nachwuchstrainer und Betreuer die der Verein je hatte, in den 60iger und 70iger Jahren. Er scheiterte immer nur knapp am Aufstieg mit den A-Junioren und holte einige Kreismeistertitel für den Verein. Wilfried Linke und Günter Rambow trainierten zur damaligen Zeit die Knaben und Schüler. Mitte der 70iger Jahre trainierte K. Sachse die B-Junioren und H. Franz die A-Junioren. Anfang der 80iger Jahre war H. Franz Trainer bei der II. Männermannschaft. In den 80iger und 90iger Jahren sind Alfred Rambow, Wolfgang Schemmel, Wolfgang Grawitter und Wolfgang Richter als gute Nachwuchstrainer zu erwähnen. Die beiden zuletzt genannten sind leider viel zu früh verstorben und fehlen an allen „Ecken und Kanten“. Aber auch unsere jetzigen Übungsleiter wie Andreas Volkmann, Tino Möser, Andre Manigk, Hajo Helbig, Olaf Wessel, Heiko Schulz und Rene Gutsche machen ihre Arbeit sehr gut. An dieser Stelle möchten wir auch unseren langjährigen Moderator, Horst Krause, erwähnen. Er spielte früher in unserem Verein Fußball und war auch mal Trainer der I. Männermannschaft. Jetzt moderiert er für uns die Hallenturniere und bei besonderen Anlässen, Spiele auf dem Sportplatz. Auch das Schiedsrichterwesen unseres Vereins ist seit 1945 (Walter John) bis heute aktiv tätig. Zwei für viele sollen hier genannt werden. Kurt Bolze und Bernd Pankau, jeder der beiden pfiff weit über 1000 Spiele. Bernd Pankau ist heute noch als Schiedsrichterbeobachter tätig und Kurt Bolze leitet immer noch Spiele. Nicht vergessen dürfen wir unsere „Oldies“, die 14 Pokalsiege und 9 Meisterschaften gewinnen konnten. Den Anstoß, ein Altligateam zu bilden, kam vom Sportkameraden Gerold Homagk, der heute noch im Vorstand tätig und nicht wegzudenken ist. Aber organisiert wurde der Spielbetrieb durch den Sportkameraden Wolfgang Schemmel 1982. Anfangs auf dem Kleinfeld im Altkreis Finsterwalde, von 1985 – 1991, dann in der Bezirksliga Cottbus.
 


Nach der Wende wurde regelmäßig am Spielbetrieb des EE- Kreises auf dem Feld und in der Halle teilgenommen – und das mit vielen Erfolgen. Höhepunkte der Oldies waren wohl die Spiele gegen Brieske Senftenberg, Großräschen und Energie Cottbus. Zum „20 jährigen Bestehen der Altliga“ 2002, konnten wir die Traditionsmannschaft des FC Carl-Zeiss- Jena in Kirchhain begrüßen. Es waren namhafte Spieler mit von der Partie, wie Bernd Stange,

Uli Göhr, Jürgen Werner, Axel Wittke, um nur einige zu nennen. Auch überregional nimmt der FSV an Turnieren teil. Mit der Mannschaft aus Hedem- Vehlage gibt es seit dem 20.8.1994 freundschaftliche Kontakte und in Hohenbrunn bei München hat die Altliga auch schon gespielt. Zweimal nahmen wir sogar schon an Turnieren in Spanien teil. Vom 29.3.-7.4.1991 in Calella und vom 2.10.-11.10.1992 in Pineda de Mar. So war der Sportfreund Günter Rambow, mit 62 Jahren, der älteste eingesetzte Spieler. Seit dem Sommer 2002 besteht auch eine Ü50 Mannschaft, die regelmäßig ihre Freundschaftsspiele austrägt, um sich fit zu halten. Eine schöne Tradition sind auch die Kinderfeste des FSV, die seit 1987 regelmäßig durchgeführt werden. Am 16.8.03, zur Festwoche „90 Jahre FSV Kirchhain e.V.“, findet bereits das dritte Treffen ehemaliger Spieler des Vereins statt. Diese Treffen wurde von den Sportfreunden Gerold Homagk und Wolfgang Schemmel ins Leben gerufen. Kontakte zum Fallschirmjägerbataillon der Lausitzkaserne bestehen seit dem 18.9.2001. Es wurden 2 Freundschaftsspiele der Altliga und der I. Männer mit den Kameraden der Bundeswehr absolviert. Mit der Einbeziehung der Sportfreunde der Bundeswehr am kulturellen Leben des FSV, soll die Zusammenarbeit noch verbessert werden. Es sind gemeinsame Trainingsabende geplant. Jedoch nicht nur Männer und männliche Jugendliche sind im Verein integriert, sondern seit dem 1.6.1991 auch eine Frauensportgruppe. Diese wurde von 7 Fußballerfrauen an diesem Tag, einem Kinderfest, gegründet. Bevor die Frauensportgruppe dem Verein 1991 organisiert beigetreten ist, haben bereits diese 7 Frauen schon Jahre vorher bei Veranstaltungen, wie z.B. Kinderfeste und Fußballjubiläen mit zugepackt. Sie halten auch das Vereinshaus in einem guten Zustand. Wenn die Anwohner des Sportplatzes 1 mal im Jahr zur Kaffeetafel eingeladen werden, dann sind es unsere Frauen der Sportgruppe die für Kaffee und Kuchen sorgen, wie auch zu anderen Festlichkeiten. Kurz um, ohne Frauen geht die Schose nicht! Mit der Wende änderte sich auch der Name des Vereins. Am 23. Juli 1990 war der „FSV Kirchhain e.V.“ entstanden. Auch das Bild des Sportplatzes wurde erneuert, als 1995 die alten Kabinen abgerissen und 1996 die Neuen eingeweiht wurden. Das Vereinshaus wurde saniert: neue Fenster, eine Heizungsanlage und sanitäre Anlagen wurden neu installiert. Und dies soll auch nicht die letzte Erneuerung gewesen sein, denn das Ziel des Vorstandes ist es, den Verein wieder mehr ins Gespräch zu bringen. Die aufopferungsvolle, freiwillige Tätigkeit der Trainer, Betreuer, des Vorstandes, unserer Frauen, sowie auch verschiedener Elternteile und Fans, ist unter anderem nur dadurch so gut möglich, weil sich Sponsoren in Doberlug-Kirchhain gefunden haben, die den FSV immer wieder unterstützen und wofür wir auch sehr dankbar sind! Das große Ziel unseres Vereinsvorsitzenden, Andreas Töpper, ist es, den Kirchhainer Fußball wieder populärer zu machen. Sollten wir den einen oder anderen nicht erwähnt haben, so geschah das nicht mit Absicht, denn es ist nicht einfach 90 Jahre aufzuarbeiten. Bedanken möchten wir uns auch bei den Leuten, die uns Material für die Chronik zur Verfügung gestellt haben.


Zusammengetragen und geschrieben von Wolfgang und Iris Schemmel